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16.12.2008

 


 

A 42 wird zur Parkautobahn

Der Emscherschnellweg A 42 wird zur Parkautobahn
Die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 will sich den Zukunftsfragen der Metropole Ruhr stellen und beispielgebendes Modell für andere europäische Metropolen sein. Eines der zentralen Themen ist, die polyzentrische regionale Stadtlandschaft Ruhr für die Zukunft mit zu gestalten und neue Formen von Urbanität auszuprobieren. In diesen Zusammenhang gehört die Weiterentwicklung der urbanen Kulturlandschaft des Ruhrgebietes, wie sie weltweit einzigartig im Emscher Landschaftspark realisiert wurde.

Der Emscher Landschaftspark ist als Regionalpark im Ruhrgebiet seit den 1990er Jahren etabliert und inzwischen weit entwickelt. In den sieben Nord-Süd verlaufenden Grünzügen und dem verbindenden Ost-West Grünzug entlang von Emscher und Rhein-Herne-Kanal sind in den letzten zwei Jahrzehnten hunderte von neuen Freiräumen und Standorten entwickelt worden. Der Emscher Landschaftspark gibt eine lebendige Anschauung von der Weiterentwicklung einer alten Industrielandschaft zu einer neuen postindustriellen urbanen Kulturlandschaft der Zukunft.

Die Autobahnkonzentration in diesem Ballungsraum ist eine der höchsten weltweit. Gerade in urbanen Räumen gehen von stark frequentierten Autobahnen viele Belastungen aus. Deshalb wurden Autobahnen in der Vergangenheit mehr und mehr mittels Lärmschutzwänden, Tunneln oder sonstigen technischen Maßnahmen abgeschirmt. Die Konsequenz ist eine massive Isolation, eine Verstärkung des Zerschneidungseffektes in der urbanen Struktur.




Für die Kulturhauptstadt 2010 soll die Autobahn „Emscherschnellweg“ A 42 als „Parkautobahn“ im Emscher Landschaftspark etabliert und gestaltet werden. „Es geht dabei nicht darum, Probleme zu kaschieren, sondern kreative Lösungen zu finden“, so Umweltminister Eckhard Uhlenberg. „Diese wenig schön gestalteten Orte sollen wieder in das Gefüge urbaner Räume oder Landschaften integriert werden und das im Sinne eines ungewöhnlichen Experiments, das eine neue Phase in der Entwicklung des Emscher Landschaftsparks einleitet. Eine Entwicklung, die in den 1990er Jahren im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscherpark noch nicht denkbar war.“ Die A 42 ist zwischen A 2 im Norden und A 40 im Süden die zentrale Ost-West-Autobahn im Ruhrgebiet.
Sie führt über 70 km durch die Emscherzone, vom Rhein in Duisburg im Westen bis an die Stadtgrenze von Dortmund im Osten. Das Besondere ist die zentrale Lage der Autobahn, die über weite Strecken hinweg parallel zur Emscher und zum Rhein-Herne-Kanal im Zentrum des Emscher Landschaftsparks verläuft. Sie führt vorbei an zahlreichen Highlights des Regionalparks: wie dem Landschaftspark Duisburg-Nord, dem Gasometer Oberhausen, dem Tetraeder in Bottrop und der Schurenbachhalde in Essen.



Im Auftrag der Anliegerstädte erstellten zur Vorbereitung der Kulturhauptstadt die beiden Landschaftsarchitekturbüros Planergruppe Oberhausen und Foundation 5+ Kassel eine Machbarkeitsstudie zur Parkautobahn. Hier wurden interessante Orte entlang der A 42 identifiziert und erste Ideen für eine Neugestaltung entwickelt: So wird etwa das Begleitgrün an den Seiten- und Mittelstreifen ästhetisch gestaltet, gleiches gilt für die Lärmschutzwände. Auftaktzeichen markieren Anfang und Ende der Parkautobahn, Landschaftsfenster heben besondere Orte in der Umgebung hervor und Infostationen bieten an prominenten Ausfahrten Ein- und Aussichten zu weiteren Aktivitäten im Emscher Landschaftspark.

Es entstehen außerdem sogenannte Ohrenparks in den Autobahnkreuzen. Für die Gestaltung wurde ein Gutachterverfahren ausgelobt, aus dem der Entwurf des Büros GTL Landschaftsarchitekten, Düsseldorf als Sieger hervorgegangen ist und nun realisiert wird. Dieser sieht vor, die fünf Autobahnkreuze, Duisburg-Nord, Oberhausen-West, Essen-Nord, Herne, Castrop-Rauxel-Ost zu einer „Ohrenparkfamilie“ zu entwickeln. Inhaltlich nehmen diese Bezug auf den landschaftlichen Charakter und künftige Leitbilder des Emscher Landschaftsparkes. Der im östlichen Teil durch großformatige, landwirtschaftliche Flächen geprägte Emscher Landschaftspark wandelt sich im Verlauf nach Westen in eine urban-industrielle Kulturlandschaft.
Eine zentrale Rolle in der Gestaltungssprache spielt die Wahrnehmung des Autofahrers. Die Gestaltungsprinzipien leiten sich aus verkehrspsychologischen Aspekten wie Tempo und Fahrgeometrie ab. So werden Blickrichtungen in Form von neuen Sichtschneisen im vorhandenen Baumbestand nachvollzogen und unterstützt. Die Neupflanzung von Baumreihen mit Leitbäumen bezieht sich auf das Leitbild des „Neuen Emschertals“ – den „Strom der Bäume“. Neben der landschaftlichen Gestaltung sieht das Team aus Düsseldorf die Besiedlung des Autobahnkreuzes Essen-Nord mit einem Mäh-Roboter vor: Mäh2_D2.
Dieser wird sich künftig um die Rasenpflege kümmern und der Parkautobahn eine Identifikationsfigur stiften.




Mit diesen Maßnahmen soll die Parkautobahn zu einem unverwechselbaren Verkehrsweg mit hohem Wiedererkennungswert werden. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 werden die ersten Erfolge erkennbar sein.
Die Autofahrer erhalten dann ein abwechslungsreiches Umfeld mit Blickkontakten zur umgebenden Landschaft. „Die Fahrt über die A 42 wird demnächst zu einem reizvollen Erlebnis. Was hier mit dieser gezielt gestalteten Umgebung passiert, ist in Deutschland einmalig. Mit der Parkautobahn gehen wir auch kreativ gegen die gefährliche Monotonie vor, die gerade Autobahnen kennzeichnet und die dem gefährlichen Sekundenschlaf Vorschub leistet“, erklärte Verkehrsminister Oliver Wittke. Denn eine so gestaltete Autobahn steigert durch maßvoll angebotene Blickreize die Aufmerksamkeit, hilft bei der Orientierung und trägt damit zu mehr Verkehrssicherheit bei.




Aus Sicht des Landesbetriebs Straßenbau gehört die Wandlung der A 42 zur Parkautobahn als Beitrag zur gestalterischen Aufwertung der Emscherregion zum Spektrum eines modernen Dienstleistungsunternehmens. Das vorrangige Interesse des Landesbetriebs richtet sich natürlich auf die positiven Synergieeffekte mit den originären Aufgaben einer Straßenbauverwaltung. Alle Maßnahmen zu Um- und Neugestaltung des Straßenbegleitgrüns folgen darum nicht nur den Ideen des Kulturhauptstadt-Projektes, sondern ebenso der nachhaltigen Optimierung des Unterhaltungsaufwandes.

 

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