Junges Theater



Wie das wahre Leben – nur besser!

Theater Marl setzt auf ausgewähltes Theater für junge Leute

Die Reihe young line präsentiert ausgesuchtes, fetziges Theater für junge Menschen ab 14 Jahren. Sechs Stücke beschäftigen sich theatralisch in der kommenden Saison mit jungen Themen. Die prämierten Produktionen bieten einen immer neuen Blick auf verschiedene Lebenssituationen mit den Mitteln des Theaters.


Am Ende der Schulzeit kreuzt

das „echte“ Leben mit einem Mal den Schulweg! „Crossroads“ ist ein Stück für Jugendliche an der Kreuzung Schule-Leben-Beruf! Sechs Jugendliche stehen da und halten inne, alle auf dem Weg zum „echten“ Leben: Nina möchte eine Ausbildung machen, irgend etwas, Hauptsache aus der Schule raus. Ben möchte „Koch lernen“, kriegt aber seinen Arsch nicht hoch, Florian will Erzieher werden, hat aber keine Ahnung, was auf ihn zukommt. Dave will eigentlich gar nichts machen, bis er den Beruf des Rettungsassistenten entdeckt. Dann ist da noch Jessica, die gut rappen kann: Eine Ausbildung in einer Werbeagentur wäre super, aber ihr Abschluss reicht nicht. Und Sabia? Soll sie in Frankfurt den Mann heiraten, den sie liebt, und eine Familie gründen oder doch lieber eine Ausbildung zur Friseurin anfangen? Und überhaupt: Was zieht man und frau zu einem Bewerbungsgespräch an, ohne sich verkleidet zu fühlen? Am Donnerstag, den 18.09. führt das Cactus-Theater aus Münster das Stück um 11 und 19 Uhr auf.


unterstützt durch die Kulturkritik-Ruhr


Dani weiß, dass das Leben kein

Zuckerschlecken ist. Besonders nicht, wenn man 17 Jahre alt ist. Da ist ihr Schulalltag mit seinem Leistungsdruck. Da sind ihre Mitschüler, mit denen sie nichts anzufangen weiß. Da ist ihre Mutter, die versucht, die bürgerliche Fassade ihrer Ehe aufrechtzuerhalten, obwohl Danis Vater eine Affäre nach der anderen hat. Und dann ist da noch ihre Bulimie. Deswegen war sie in Kur. Offiziell ist sie auch geheilt – die Wirklichkeit sieht jedoch ganz anders aus ... Um ihrer Realität zu entfliehen, begibt sich Dani in die virtuelle Welt des Internets. Dort trifft sie neben dem gleichaltrigen Lewis auch den doppelt so alten Tim, der sie für einen elfjährigen Junge hält ... Von beiden fasziniert, beschließt sie, den Schritt aus der Anonymität des Cyberspace zu wagen. Sie hat eine Affäre mit Lewis, der sich darauf hin unsterblich in sie verliebt und sie bildet sich ein, Tim vor seinen Trieben und seiner Vergangenheit retten zu können. Doch Dani unterschätzt, worauf sie sich eingelassen hat – während sich das siebzehnjährige Mädchen vorallem ausprobieren will, kommt der obsessiv verliebte Lewis ihrer „erwachsenen“ Freundschaft mit Tim gefährlich in die Quere. Am Dienstag, den 11. November bringt das Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel das Stück „Sugar Syndrom“ von Lucy Prebble um 11 und 19 Uhr auf.


Lucy Prebble gelingt es

in diesem Stück die Lebenswirklichkeiten junger Menschen dermaßen realitätsnah zu erzählen, dass uns dies auf den ersten Blick zu erschrecken scheint. Doch hilft es nicht, vor dieser Realität die Augen zu verschließen. Und das begreift schließlich auch Dani. So beginnt sie für ihr Leben selbst die Verantwortung zu übernehmen und zieht für sich einen Schlussstrich. Eine Freak-Show der Extraklasse erwartet die sechzehnjährige Emilia in der Wohnung ihrer verstorbenen Tante Ada, die sie zwar kaum gekannt, deren alten Plunder sie aber geerbt hat. Eine Aussteigerin soll sie gewesen sein, ein Hippie, ein Blumenmädchen – oder wie man das damals genannt hat. Egal, nicht Emilias Problem! Nur eine Nacht in Tante Adas Wohnung, morgen den Trödler anrufen und dann zurück nach Hause, wo die ersten Prüfungen zum Schulabschluss auf sie warten. Schließlich ist mit sechzehn die Zukunft kompliziert genug und man selbst noch viel zu jung für den Tod. Völlig richtig, findet Tante Ada – sie hat sich schließlich auch nicht freiwillig mit dem Auto um einen Baum gewickelt. Also kehrt sie noch einmal in ihre alte Wohnung und in den Traum ihrer schlafenden Nichte zurück. Und auf der „Traum-Showbühne“ treten bald weitere Personen aus Emilias Leben auf: die nächtliche Geistershow mutiert zur Jury, die über das Leben des jungen Mädchens richtet. Emilia wird gezwungen, sich auf die Suche nach ihrer Identität zu machen.


Sowohl aus Emilias

wie auch aus der Sicht Adas stellt Lutz Hübner in „Die letzte Show“ die Frage nach dem richtigen Lebensentwurf. Während das junge Mädchen orientierungslos zwischen den vermeintlichen Ansprüchen einer Leistungs- und Schönheitsgesellschaft das eigene Leben zu verpassen droht, scheint Tante Ada für ihr zu kurzes Leben immer das richtige Timing gefunden zu haben. Im Marler Theater ist das Stück in der Inszenierung der jungen Bühne Hagen am 9. Dezember um 11 und 19 Uhr zu sehen.„Du bist erst jemand, wenn die Leute deinen Namen in den Mund nehmen und deshalb ist es sehr wichtig, ab und zu eine Party zu machen.“ Das findet Mick auch und eigentlich ist alles organisiert. Die Freunde sind angerufen, die Einkäufe gemacht, die Wohnung hergerichtet. Heute Abend wird es passieren: Eine Party, die so gut ist, das alle noch Wochen davon sprechen werden. Nur noch dafür sorgen, dass Hans sich nicht wieder wie ein Idiot aufführt und dann auf die Mädchen warten. Doch der erste Gast ist eine alte Frau, angeblich die Mama der beiden und einigermaßen verwirrt. Dann kommt Yvonne, schön und begehrenswert, aber ziemlich schräg drauf. Wie soll da eine gute Party steigen? Wo bleiben die anderen? Am 19.2. um 19 Uhr und am 20.2. um 11 Uhr ist diese schnelle Komödie des Theaterhauses Frankfurt über vier Menschen auf der Suche nach sich selbst in Marl zu sehen. In bester Partyatmosphäre setzt sich das Stück mit der Sehnsucht nach Familie auseinander, die Sicherheit und Halt geben sollen in einer komplizierten Welt.


„Woyzeck- Eine Komödie mit Todesfolgen“

heisst das Schauspielprojekt des Westfälisches Landestheaters Castrop-Rauxel, das am 3. März um 11 und 17 Uhr auch in Marl zu sehen sein wird. Aber darf man Büchners Drama so einfach als Komödie spielen? Es darf, ja, es muss sogar, denn eine Hauptaufgabe des Theaters ist, neben der Unterhaltung dem Zuschauer die Welt aus neuen Blickwinkeln zu präsentieren, seine Sichtweise zu erweitern, seine Gedanken mit neuem „Futter“ zu versorgen. Und Büchners „Woyzeck“ ist dafür mehr als ideal. Denn der Text ist kein fertiges Drama, sondern lediglich ein aus vier Teilen bestehendes Fragment. Eine festgelegte Reihenfolge oder gar ein zusammenhängendes Stück aus Büchners Feder existiert überhaupt nicht. Die Anordnung bleibt den Theatermachern vorbehalten und je nachdem, wie man die Fragmente gruppiert, verändert sich auch die Aussage des Werkes. Darüber hinaus spickt Büchner seine Texte mit bitterer Ironie, zum Beispiel wenn er mit den Figuren des Hauptmanns und des Doktors die bürgerliche Scheinmoral aufs Korn nimmt. Nicht zuletzt hat er dabei seine Charaktere, wie das übrige Europa auch, der italienischen Commedia dell’arte entliehen. Viele Möglichkeiten, die Geschichte um Liebe, Lust und Leidenschaft, um Treue, Betrug und Gerechtigkeit neu zu erzählen. Die vier Schauspieler des KTJ schlüpfen in die verschiedenen Charaktere des Stückes, spielen mit ihnen und bringen so das Publikum zum Lachen, vielleicht auch zum Weinen und finden dabei Woyzeck. Elin ist sechzehn. Wes auch. Doch das ist alles, was sie auf den ersten Blick gemeinsam haben. Elins Eltern sind wohlhabend und kümmern sich eher zu viel um ihre Tochter. Wes dagegen lebt schon lange nicht mehr daheim, wo er nur verprügelt wurde, sondern bei wechselnden Pflegeeltern. In Elins Augen ist er frei und sie sieht in ihm einen Verbündeten, der ihren Hass auf die Erwachsenenwelt teilt. Ganz anders als ihr Schulfreund Rhys, der sich in sein Jungsein fügt und Versagensängste mit Fast Food kompensiert. Wie er will Elin auf gar keinen Fall sein.


Hin- und hergerissen zwischen

ihrer Sehnsucht nach Selbstbestimmung und dem Bedürfnis nach Geborgenheit, stürmt Elin durch ihr junges Leben und bringt sich und ihre Freunde in eine Situation, die nur in einem Crash münden kann ... Das Stück des Theater Ömmes & Oimel heisst dann auch „Crash oder „Wenn meine Eltern mich fünf Jahre vorspulen könnten, würden sie’s tun“. Es ist am 18. März um 11 und 19 Uhr in Marl zu sehen.


Zu vielen Stücken gibt es ein theaterpädagogisches Begleitangebot, zu welchem eine Anmeldung erforderlich ist!Karten gibt es im i-Punkt im Marler Stern, Montag bis Freitag 9.30 bis 18 Uhr, Samstag 9.30 bis 13 Uhr, Telefon: 0 23 65/ 99 43 10.


 

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