
Prof. Michael Kaufmann Rechte: TUP
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Stellungnahme der Philharmonie Essen zur Entlassung von Intendant Prof. Michael Kaufmann Wie die Philharmonie Essen aus der Presse erfuhr, beschloss der Aufsichtsrat der Theater und Philharmonie Essen GmbH gestern abend die fristlose Kündigung von Philharmonie-Intendant Prof. Michael Kaufmann. Damit ist die Zukunft der Philharmonie Essen gefährdet und völlig offen, die erfolgreiche Arbeit seit der Eröffnung des Hauses im Juni 2004 wurde schlagartig in weiten Teilen zerstört. Dieser unerwarteten Entlassung ist eine öffentliche Kampagne vorausgegangen, bei der sich seit etwa zwei Wochen in der lokalen Presselandschaft die Meldungen überschlagen. An einer Moderation des gesamten Vorgangs war den Verantwortlichen ebenso wenig gelegen wie an einer unabhängigen Prüfung der Zahlen. Statt eines konstruktiven und frühzeitigen Dialogs wurden durch Indiskretion und Vorverurteilung die Probleme nicht gelöst, sondern verschärft und öffentlich gemacht. Der Imageschaden ist enorm – nicht nur für die Person Michael Kaufmann, sondern auch für die Philharmonie Essen und die gesamte Stadt, die sich im Jahr 2010 „Kulturhauptstadt Europas“ nennen will. Doch was ist passiert? Schwerpunkt der verschiedenen Presseberichte sind die vermeintlichen Defizite der Philharmonie in den vergangenen beiden Spielzeiten, der in den Medien mit bis zu 1,5 Millionen Euro beziffert wurde. Tatsächlich steht aber bis zum jetzigen Zeitpunkt der Jahresabschluss der vergangenen Spielzeit noch aus, ebenso fehlt die Überprüfung der Zahlen durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer. Ausstehende Sponsorengelder, diverse Einnahmen aus den Vermietungsgeschäften der Philharmonie Essen sowie zu erwartende Rückzahlungen der Ausländersteuer u.v.a.m. wurden bei diesem veröffentlichten Zahlenwerk nicht berücksichtigt, so die Überzeugung des Philharmonie-Teams, das die Zahlen nach eingehender Prüfung massiv anzweifelt. Die Aufregung um die Zukunft der Philharmonie und ihres Intendanten Michael Kaufmann und die jüngsten Entwicklungen haben auch die Politik überrascht: Die SPD-Ratsfraktion etwa bezog klar Stellung zum Essener Konzerthaus und seinem Intendanten. „Es ist schon erstaunlich, wie schnell in dieser Stadt eine Persönlichkeit von ‚Everybodys Darling’ zur Unperson erklärt wird. Noch bis vor kurzer Zeit waren alle voll des Lobes über die hervorragende künstlerische Arbeit von Michael Kaufmann, und nun wird Kaufmann als alleinige Wurzel des Übels für die finanzielle Schieflage innerhalb der TUP hingestellt“, erklärt Reinhard Paß, Fraktionsvorsitzender im Rat und Oberbürgermeisterkandidat der SPD, der vorschlägt, dass die Philharmonie besser als eigene Einheit und eben nicht unter dem Dach der TUP wirtschaften solle. Die Philharmonie Essen, die in dieser Spielzeit ihr 5jähriges Jubiläum feiert, ist organisatorisch unter dem Dach der Theater und Philharmonie Essen (TUP) angesiedelt. Das Konzerthaus gilt als eines der akustisch besten und schönsten in Europa, das sich seit seiner Eröffnung im Juni 2004 unter der Intendanz von Prof. Michael Kaufmann durch sein profiliertes Programm schnell einen wichtigen Platz unter den Konzerthäusern Deutschlands und Europas erarbeiten konnte. In der vergangenen Spielzeit wurde die Philharmonie Essen etwa vom Deutschen Musikverleger-Verband für das „Beste Konzertprogramm der Saison 2007/2008“ ausgezeichnet. Nicht nur in der Kulturszene und beim Publikum genießt das Haus höchsten Zuspruch, auch Wirtschaftsunternehmen sehen sich gerne als Sponsor. In der vergangenen Spielzeit war es Intendant Kaufmann gelungen, über 1,4 Millionen Euro allein als Spenden- und Sponsorengelder für die Philharmonie einzuwerben. Derzeit bestreitet die Philharmonie Essen bislang mehr als 50% ihres Programm-Etats aus Drittmitteln – ein bundesweit beispielhafter Wert. Über 220.000 Besucher zählte die Philharmonie in der vergangenen Saison, der 1.000.000. Besucher konnte am vergangenen Wochenende begrüßt werden. Diese bisherigen Erfolge der Philharmonie motivierte Anfang September acht Essener Unternehmen – die Heinrich Deichmann Schuhe GmbH & Co. KG, sgp Essen GmbH, WAZ Mediengruppe, National-Bank AG, HOCHTIEF Aktiengesellschaft, E.ON Ruhrgas AG, RST HANSA GmbH und einen langjährigen privaten Förderer der Philharmonie – dazu, ein Kuratorium für die Philharmonie Essen zu gründen. Dieses Kuratorium möchte eine zusätzliche Unterstützung für die profilierte Arbeit der Philharmonie leisten und dazu beitragen, dass das Konzerthaus seinen erfolgreichen Weg weiter gehen kann. Wie es nun weitergehen soll, ist offen: Die Mitarbeiter der Philharmonie Essen wurden bislang nicht über den aktuellen Verlauf der Ereignisse, den Beschluss der Aufsichtsratsitzung und auch nicht über die nähere Zukunft der Philharmonie Essen informiert – weder von Seiten ihres Betriebsrates noch von der Geschäftsführung der Theater und Philharmonie Essen GmbH. Ein weiterer Beweis für eine mangelhafte Informationspolitik, die dem Ruf des Hauses enorm schadet und auch keine Perspektiven für die Zukunft aufzeigt. Für das Team ist absolut unverständlich, dass die Verantwortlichen auf der Basis von ungeprüften Zahlen eine so wichtige Personalentscheidung treffen: „Der Erfolg der Philharmonie Essen ist ohne jede Einschränkung der absolut beeindruckenden und von uns sehr geschätzten Arbeit unseres Chefs zu verdanken, unter dessen Leitung die Philharmonie Essen innerhalb kurzer Zeit einen wirklich beachtlichen überregionalen Ruf erwerben konnte. Wir sind in jeder Hinsicht entsetzt und sprachlos über die Vorgänge und die Entscheidung des Aufsichtsrates. Wir fordern Dialog statt Destruktion, eine unabhängige Prüfung der Zahlen und eine Philharmonie Essen mit Michael Kaufmann.“
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