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Stellungnahmen

 



Theater und Philharmonie Essen

Stellungnahme des Vorstands des Kulturbeirats der Stadt Essen zum Konflikt um die fristlose Entlassung des Intendanten Michael Kaufmann

der Vorstand des Kulturbeirates der Stadt Essen hat sich eingehend mit dem Konflikt um die vorzeitige Entlassung des Philharmonieintendanten Michael Kaufmann beschäftigt und sich eine differenzierte Meinung zu diesem Konflikt gebildet.

Der Kulturbeirat sieht sich dabei insbesondere auf dem Hintergrund seiner Rolle in der historischen Auseinandersetzung um den Bau der Essener Philharmonie und des daran gekoppelten Bürgerbegehrens Ende der 90er Jahre in einer besonderen Verantwortung.

Im Rahmen einer nichtöffentlichen Sondersitzung des Kulturbeirates am 23.Oktober , zu der alle beteiligten Konfliktparteien geladen waren, hat der Kulturbeirat darüber hinaus den Versuch unternommen, als parteiunabhängiges Beratungsgremium moderierend in den Konflikt einzugreifen und nach einer für alle Seiten akzeptablen Kompromissformel zu suchen, um damit den materiellen, insbesondere aber auch den öffentlichen Schaden für die Stadt Essen soweit wie möglich zu begrenzen.

Dem Vorstand des Kulturbeirates kommt es insbesondere darauf an, im Rahmen einer umfassenden Fehleranalyse aller an diesem Konflikt Beteiligten für die Zukunft ähnliche Konfliktsituationen zu vermeiden und daraus resultierende mögliche gravierende Nachteile für die anderen Bereiche der TUP, für andere Kultur- und Politikbereiche sowie für das kulturelle Klima dieser Stadt zu vermeiden.

Um Missverständnisse zu vermeiden: grundsätzlich ist für den Kulturbeirat die Einhaltung vorgegebener Budgets – gerade in Hinblick auf die äußerst angespannte finanzielle Situation der Stadt und in Verantwortung gegenüber anderen Bereichen wie Jugend, Sport, Soziales sowie der freien Kultur eine nicht in Frage zu stellende Regel, die für alle zu gelten hat.

Ohne die möglichen kaufmännischen Fehler von Michael Kaufmann dabei außer Acht zu lassen, stellt sich der Kulturbeirat die Frage nach der Mitverantwortung des Aussichtsrates sowie insbesondere der ehemaligen Geschäftsführung der TUP in diesem aus Sicht des Kulturbeirates vermeidbaren öffentlichen Konflikt – hier insbesondere in der Person von Otmar Herren. Nach Auffassung des Kulturbeirates ist gerade die Trennung von künstlerischer Intendanz und kaufmännischer Geschäftsführung ein bewährtes Strukturmerkmal kultureller Großinstitutionen und ein Garant für effektives Budgetcontrolling. Aus Sicht des Kulturbeirates hat die ehemalige Geschäftsführung der TUP in diesem Konflikt eindeutig versagt und ist nach Möglichkeit – auch nachträglich - zur Rechenschaft zu ziehen.

Der Vorstand des Kulturbeirats rät daher dringend zu einer Überprüfung der vorhandenen Controllingstrukturen der TUP und zu einer dezidierten Fehleranalyse insbesondere in Hinblick auf die vertraglich festgelegten jeweiligen Kompetenzen von Intendanz und Geschäftsführung. Ohne ein effektives und vor allem justiziables Controlling besteht die Gefahr, dass in anderen personellen Konstellationen ähnliche Konflikte wieder entstehen mit ähnlich weitreichenden materiellen und immateriellen Folgen für die Stadtkultur.

Der Vorstand des Kulturbeirates sieht aber auch den Aufsichtsrat der TUP in einer Mitverantwortung in diesem Konflikt. Zum einen war das Krisenmanagement aus Sicht des Vorstandes nicht geeignet, den zunächst internen Konflikt aus der öffentlichen Diskussion herauszuhalten, zum anderen steht die drastische Maßnahme einer fristlosen Kündigung und in der Folge dann noch persönlichen Diffamierungen des Intendanten in eklatanten Widerspruch zu allen bis dato zum Teil überschwenglichen Äußerungen des Aufsichtsrates hinsichtlich der erbrachten und allseits anerkannten positiven Leistungen von Michael Kaufmann. Dieser Widerspruch ist aus Sicht des Kulturbeiratsvorstandes einer der Gründe dafür, dass der Konflikt in der Öffentlichkeit kaum nachvollziehbar war und eine solche negative Resonanz ausgelöst hat.

Der Vorstand des Kulturbeirates stellt sich in diesem Zusammenhang die grundsätzliche Frage, inwieweit ehrenamtliche Aufsichtsräte solcher komplexen Großorganisationen wie der TUP ihrer Aufsichtspflicht strukturell nachkommen können.

Der Vorstand des Kulturbeirates kritisiert aber auch – bei allem Verständnis für den öffentlichen Unmut - die Rolle der Sponsoren aus der Wirtschaft in diesem Konflikt. Die aus diesem Bereich forcierte öffentliche Konflikteskalation hat dem Image der Stadt geschadet und muss umgehend beendet werden. Der Vorstand des Kulturbeirates warnt darüber hinaus vor einer Verquickung des Konflikts um die Entlassung des Intendanten und dem Engagement der Wirtschaft für die Kulturhauptstadt RUHR.2010. Hier sind stattdessen eine notwendige Differenzierung und Weitsicht angezeigt.

Der Vorstand des Kulturbeirates hofft, dass nun der entstandene Schaden soweit wie möglich begrenzt wird und alle Beteiligten entsprechende Konsequenzen aus dem Konflikt ziehen werden. Die mühsame Aufbauarbeit der vergangenen Jahre in der Stadtkultur und das zunehmend positive Image darf weder durch die künstlerischen Ansprüche einzelner Personen und Gruppen noch durch das Abwälzen von Verantwortung weiter beschädigt werden

Vorstand des Kulturbeirates der Stadt Essen:
Johannes Brackmann, Prof. Dr. Wilfried Breyvogel, Holger Krüssmann, Robert Smajgert, Kerstin Plewa-Brodam,

 


 


 


 


 




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